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Tunnelportale


Bilder der Strecke: 6363 (KBS 225, 240, 500 / KBS 220, 320)

1 Tunnel (513 Meter)Oberau 

(Leipzig Hbf - Leipzig-Paunsdorf - Borsdorf/Sachsen - Wurzen - Oschatz - Riesa -
Zeithain-Bogendreieck -) Priestewitz - Coswig (- Dresden-Neustadt)

Oberauer Tunnel  [MEI]  (SN)

Nordwestportal des ehemaligen Oberauer Tunnels, um 1845 (Gemälde: Peter König, Aue)

Länge:
513 Meter

Streckenteil:
Priestewitz - Coswig

Lfd-Nr, Direktion:
658, Dre-039

Seite/Quadrant:
57 D Nicht eingezeichnet
59 D4

bei km:
93,2

Südostportal des ehemaligen Oberauer Tunnels, um 1900 (Gemälde: Peter König, Aue)
Nordwestportal, vom Bahnhof Priestewitz (um 1845)
(Gemälde von Peter König, Aue)
1933/34 abgetragen Südostportal, vom Bahnhof Niederau (um 1900)
(Gemälde von Peter König, Aue)

Geschichte:

Der Tunnel bei Oberau

Nordostportal des Oberauer Tunnels, um 1840 (Gefunden im Eisenbahnatlas DDR, VEB Tourist-Verlag, Berlin, Leipzig, 1987)
Nordostportal, vom Bahnhof Priestewitz (um 1840)
Gefunden im Eisenbahnatlas DDR, VEB Tourist-Verlag, Berlin, Leipzig, 1987
 
»James Walker hatte in seinem Gutachten über die Bahntrace als Folge der Festhaltung des Höchst-Neigungsverhältnisses 1:200 (5 Promille) auch die Durchschneidung einer bei Oberau in Richtung quer zur Bahn vorliegenden, bis zur Elbe bei Meissen sich erstreckenden, daher nicht umgehbaren Höhenzunge mittels eines Tunnels von 1600 Ellen (906 Meter) Länge vorgesehen, um die Ausschaltung von mindestens 2 800 000 Kubikellen (509 600 Kubikmeter) unverwendbarer sprengbarer Felsmassiven zu sparen, die bei einer Einschnittstiefe bis zu mindestens 34 Ellen (19,3 Meter) über Bahnlinie lagern sollte. Obwohl man bei der genaueren Bearbeitung die Tunnellänge bis auf 904 Ellen (512 Meter) abkürzte, konnte man sich - teilweise bestärkt durch die schwierigen Arbeitsverhältnisse im Einschnitte bei Machern während des Sommers 1836 - doch nicht entschliessen, zu offenem Einschnitt überzugehen und die Neigungsverhältnisse hiernach fernerweit zu ändern. Ohne fremde Beeinflussung hätte Sachsen vielleicht seinen längsten Tunnel nicht erhalten.

Eine der ersten Arbeiten des bauführenden Oberingenieurs war die Feststellung des Tunnelprofils unter Annahme von 12 Ellen 4 Zoll (7,74 Meter) Sohlenbreite, 13 Ellen 4 Zoll (8,30 Meter) in 4 Fuß 6 Zoll (2,40 Meter) Höhe über Sohle und 10 Ellen 20 Zoll (6,14 Meter) lichte Höhe bis zum Scheitel eines Halbkreises.

Den altbewährten sächsischen Bergbau zur Ausführung des Baues zur Hülfe zu nehmen, lag nahe, die Bergbehörden halfen gern und entsandten nicht nur als Bauführer den Obersteiger Carl Gottfried Schneider von Freiberg, sondern liessen auch durch einen höheren Beamten dessen Bauführung zeitweilig zu mehrerer Sicherheit eingehend prüfen. Die Kompagnie aber hat ihr Vorgehen bezüglich der Verwendung sächsischer Bergleute ohne fremde Beihülfe nicht bereut, denn der Bau ist ohne nennenswerthe Unfälle mit Eifer und Thatkraft in verhältnismässig kurzer Frist dauerhaft und tüchtig ausgeführt worden,und der Obersteiger Schneider galt selbst für technisch höhergebildeteTunnelbauführer späterer Jahrzehnte als nachahmungswertes Beispiel erfahrungsreicher Sachkenntnis und lebendiger Plichttreue.«

Die Bauweise ergab sich von selbst nach herkömmlichem bergmännischen Verfahren und gründete sich hier auf folgende Anordnung:
Vier Lichtschächte wurden lotrecht in der Tunnelachse abgeteuft und durch eine in der Tunnelsohle hinlaufende Rösche (den Sohlenboden) verbunden. Von den Schächten ausgehend nach Ost und West begann alsbald nach dem Vortriebe der Rösche der Ausbau der Hauptörter mittels trapezförmiger Erweiterung über dem Sohlenstollen und Einsetzen eines zweiten Türstockes über der Rösche. Die Röschen-Auszimmerung bildete daher gemeinsam mit der überstehenden trapezförmigen Türstock- und Getriebe-Zimmerung den Ausbau des allmälig vorschreitenden Vollausbruches, welchen die Auswölbung auf dem Fuße folgte.

Diese Bauweise mittels Sparrentürstockzimmerung gab die Anregung für die im Gegensatze zur englischen und belgischen Methode, in Zukunft allgemeiner angewandte sogenannte österreichische Methode, welche durch Erfahrung und Nachdenken weitere Ausbildung erfahren hat. Beim Bau des ersten österreichischen Tunnels an der Weinzettelwand am Semmering hielt man für rathsam, sächsische Bergleute herbeizurufen, die bei Oberau gearbeiten hatten.

Der 1839 fertiggestellte Oberauer Tunnel wurde später infolge des stark gestiegenen Verkehrs zum Betriebshindernis, da ihn wegen des breiter gewordenen Profils der Fahrzeuge jeweils nur ein Zug befahren konnte und so der zunehmenden Streckenbelastung und Nässedurchdringung nicht mehr standhielt. Man ersetzte ihn durch einen 23 Meter tiefen Graben. Zum Andenken an das deshalb 1933 beseitigte Bauwerk erinnert auf der Krone des 23 Meter tiefen Einschnittes bei Kilometer 93,2 der Obelisk eines ehemaligen Tunnelportales von 1837 als Denkmal.

Weitere Informationen bei Wikipedia, Oberauer Tunnel sowie Eisenbahn in Sachsen und der Sächsischen Schweiz

Landkarte:

Leipzig Hbf - Leipzig-Paunsdorf (- Borsdorf/Sachsen - Wurzen - Oschatz - Riesa - Zeithain-Bogendreieck -) Priestewitz - Coswig (- Dresden-Neustadt)

Ausschnitt aus Kursbuchkarte von 1958

Hinweis:

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